Die gefährliche Abhängigkeit der Wirtschaft von der Geldpolitik

20151125_LiberalerMittelstandNRW_Vorstand_SW_C_Jan_Schuermann_14A6265Liebe liberale Unternehmerinnen und Unternehmer,

alles Reden über Wirtschaft macht keinen Sinn ohne den Blick auch auf die Geldpolitik der Notenbanken und die Finanzmärkte zu richten.

Der Wirtschaftsweise Lars Feld, einer der einflussreichsten Ökonomen Deutschlands, jubelt über den Ausblick für die deutsche Wirtschaft. Die Arbeitslosigkeit sei auf dem niedrigsten Niveau seit 1991, Deutschland gehe es gesamtwirtschaftlich so gut wie nie, die Konsumbereitschaft sei hoch und die öffentlichen Finanzen dank der niedrigen Zinsen solide. Mit einem Absturz der Wirtschaft sei derzeit nicht zu rechnen. Ganz ähnlich sieht das auch die Deutsche Bundesbank. Die Konjunktur gewinne zunehmend an Kraft, „wenn wie erwartet der Welthandel wieder stärker expandiert und sich die deutschen Exporte von ihrer Schwächephase erholen.“

Das Wachstum steht auf tönernen Füßen

1.) Die deutsche Wirtschaft wächst, weil sie mit Steroiden vollgepumpt ist. Der Außenwert des Euro wurde durch die EZB künstlich abgesenkt und stützt den Export. Der Konsum wird durch die geringen Sparanreize angeheizt. Der Ölpreis ist so niedrig wie zuletzt 2003 und unterstützt den privaten Konsum. Trotz dieses massiven Rückenwinds wuchs die Wirtschaft 2015 nur um 1,7 Prozent und soll in diesem Jahr um nur 1,8 Prozent zulegen.

2.) Dieses Wachstum kann aber nur dann anhalten, wenn an den internationalen Kreditmärkten nichts anbrennt. Die Zinswende des Fed hat längst zu Schockwellen an den Finanzmärkten geführt. Unternehmen z.B. in den USA oder in den Schwellenländern, deren Geschäftsmodelle auf der kontinuierlichen Zufuhr günstiger US-Dollarkredite beruhen, schieben gigantische Schuldenberge vor sich her, deren Refinanzierung vor allem durch den steigenden Dollar und die Abwertung der Währungen der Schwellenländer immer teurer wird. Ein Kartenhaus aus Krediten droht in sich zusammenzufallen.

Beispiel: Die Schulden Chinas sind in den letzten 8 Jahren um 400 Prozent auf ca. US$35 Billionen gewachsen. Würden 10 Prozent der Kredite faul, läge die Abschreibungssumme bei US$3,5 Billionen; und das bei einem BIP von ca. US$11 Billionen (2015) und Devisenreserven von US$3,5 Billionen, die seit einiger Zeit zur Stützung der Börsen und der Währung eingesetzt werden und wie Schnee in der Sonne schmelzen! Niemand – auch nicht Herr Feld oder Herr Weidmann – weiß, welche Risiken vor allem im Schattenbankensektor Chinas oder der USA oder Europas schlummern. Fest steht nur, dass sich Finanzsysteme nicht beliebig lange retten lassen, ohne eben an dieser Rettung zugrunde zu gehen.

Problembewusstsein statt Mutmacher

Wirtschaft ist mehr als Psychologie und mehr als makroökonomische Daten. Sie basiert dank der extrem expansiven Geldpolitik der Notenbanken der letzten Jahre zunehmend auch auf einem höchst filigranen, global vernetzten, intransparenten und stressanfälligen Finanzsystem, das durch die Zinswende des Fed erheblich unter Druck gesetzt wird: mit unabsehbaren Folgen für die Weltwirtschaft.

Mutmacher sind eine feine Sache. Aber sie dürfe nicht über die eigentlichen Risiken hinwegtäuschen.

Ihr Olaf in der Beek

Landesvorsitzender des Liberalen Mittelstand NRW